Andreas Becker MdL zum Einbahnstraßen-Wallring

Andreas Becker MdL: „Die aktuelle Diskussion um die Ausgestaltung des Wallrings als Einbahnstraße verkennt dessen Bedeutung als Drehscheibe für den gesamtstädtischen Verkehr. Gutachten, wenn auch älteren Datums, haben mittels Kennzeichenverfolgung und Simulation ergeben, dass 66% aller Verkehrsbeziehungen Außen-Beziehungen sind, d.h. die Menschen fahren irgendwo in den Wallring ein und verlassen ihn an anderer Stelle unmittelbar, ohne die Innenstadt als Ziel zu haben. Dies mit bitteren, aber eindeutigen Konsequenzen: Eine Einbahnregelung (egal in welche Richtung) führt zu einer Verdoppelung des Autoverkehrs, auch die gefahrenen Kilometer des ÖPNV würden um ein Viertel steigen, ohne das Angebot zu verbessern.
Ja, die Zahlen sind alt. Aber haben sich die Rahmenbedingungen seit 1993 verbessert? Ich finde nicht! Der Straßenverkehr im allgemeinen ist mehr geworden. Innerhalb des Wallrings sind unter anderem durch das Palais Vest mehrere hundert Parkplätze dazugekommen. Den vor allem durch Online-Handel ausgelöste Lieferverkehr gab es noch gar nicht. Das ÖPNV-Angebot wurde, wenn auch nicht im wünschenswerten Maße, ausgeweitet. Und die Zuwachsraten beim Radverkehr sind zu gering.
Deshalb halte ich den Wallring als Einbahnstraße klimapolitisch für eine Todsünde und nicht als gelungenen Beitrag zur notwendigen Verkehrswende – jedenfalls so lange nicht alle Busse der Vestischen mit grünem Wasserstoff fahren und der Anteil der Verbrennungsmotoren nicht deutlich unter dem alternativer Antriebsformen liegt.
Was brauchen wir stattdessen? Auf jeden Fall aktuelle Zahlen und darüber hinaus eine Verständigung über eine Mobilität der Zukunft mit Sharing-Systemen und einer Vernetzung, die mit intensiver Bürgerbeteiligung z.B. in Bürgerwerkstätten zu einem breiten Konsens geführt werden muss.“